Frage zum Thema „Meniskusriss“

Karl M. ist begeisterter Hobbyfussballer. Bei einem Freundschaftsspiel im Sommer 2017 knickt er mit dem Fuss ein, verdreht sich das Bein und stürzt zu Boden. Seither hat er Schmerzen im Knie und kann das Bein nicht mehr richtig strecken. Die Unfallversicherung übernimmt anfangs die Kosten für die medizinischen Behandlungen und Physiotherapie. Die Beschwerden von Karl M. werden nicht besser.

Vier Wochen später wird eine Magnetresonanztomografie des Knies erstellt. Die Bilder zeigen im Bereich des Hinterhornes des Meniskus eine Signalalteration (Auffälligkeit) und Knorpelschädigungen.

Karl M. unterzieht sich einer Kniearthroskopie. Intraoperativ bewahrheitet sich die Diagnose eines Meniskusrisses und der ausgeprägten Knorpelschäden.

Der Chirurg ist der Meinung, es liegen Unfallfolgen vor. Die Unfallversicherung lehnt die Leistungspflicht für die Meniskusoperation und weitere Folgebehandlungen aber ab. Sie ist der Meinung, beim Meniskusriss und den Knorpelschäden handle es sich um einen Vorzustand.

Karl M. ist empört und sucht unseren Rat. Erfolgreich kann gegen einen solchen Entscheid in aller Regel nur medico-legal argumentiert werden. Dies bedingt versicherungsmedizinisches Wissen und Erfahrung.

Was ist Herrn M. zu raten?

Per 1.1.2017 hat das Unfallversicherungsgesetz geändert. Der Meniskusriss ist eine Listendiagnose nach Art. 6 Abs. 2 UVG, aber nicht der Knorpelschaden.

Meniskusrisse können degenerativ oder traumatisch verursacht sein. Bei gleichzeitigen Knorpelschäden ist die Quote der degenerativen Meniskusläsionen sehr hoch, sie liegt bei rund 70%.

Es gibt Meniskusrisse, die traumatisch bedingt sein können. Sie sind aber eher selten und erfordern eine erhebliche Krafteinwirkung auf das Kniegelenk. Nicht jeder Unfall ist geeignet, einen Meniskusriss zu verursachen.

Es gibt diagnostische Faktoren, die für und solche, die gegen eine traumatische Meniskusläsion sprechen.

Bei der Beurteilung einer Einsprache gegen den Entscheid der Unfallversicherung müssen daher die für und gegen eine traumatische Verursachung sprechenden Indizien sorgfältig geprüft und bewertet werden. Dies bedingt professionelle Beurteilung der Anamnese, der klinischen und radiologischen Testbefunde und Beschwerden. Versicherungsseitig vergessen wird oft die Frage einer richtungsgebenden Verschlimmerung eines bereits vorbestehenden Meniskusrisses.

Die Prüfung der traumatischen Pathogenese einer solchen Listendiagnose erfordert vertieftes und fundiertes versicherungsmedizinisches Know-How. Bei uns erfolgte diese Beurteilung – wenn notwendig – interdisziplinär und konsensual mit entsprechend geschulten und erfahrenen Chirurgen.